Neukirchener See, Foto @ U. Eitner, NABU
Neukirchener See, Foto @ U. Eitner, NABU

Naturstudienfahrt  zum Biosphärenreservat Schaalsee

                                    vom 18. bis 22.5.2015

Zarrentin, Foto © B. Müller, NABU Zarrentin, Foto © B. Müller, NABU

Nach einem Zwischenstopp mit einer Hafenrundfahrt in Hamburg erreichten wir - Frau Brandt als Exkursionsleiterin und 17 andere Naturbegeisterte - am Spätnachmittag unseren Standort Zarrentin. Der erste Eindruck war idyllisch, Schilfränder an den Ufern, in denen Teichrohrsänger sangen.

Der Schaalsee mit der erstaunlichen Tiefe von 72 m ist in der letzten Eiszeit entstanden, deswegen sind die Ufer steil, von Gletschern ins Gestein gegraben. Aus diesem Grund sind der Uferbereich und der Schilfgürtel schmal, daran schließen sich teilweise Steilhänge an.

Am nächsten Morgen wurden wir von Heike Bergmann und ihrem Mann Ulf Gritzka-Bergmann, unseren Partnern der NABU Regionalgruppe Schaalseelandschaft abgeholt und über ihr Engagement für mehr Naturschutz informiert. In einem Biosphärenreservat befinden sich unterschiedliche Naturschutzgebiete, die übrige Fläche darf „naturverträglich“ für Tourismus und Landwirtschaft genutzt werden. Da sind Auseinandersetzungen vorprogrammiert.

Spechtbaum, Foto © B. Müller, NABU Spechtbaum, Foto © B. Müller, NABU

Wir wanderten am Schaalsee entlang durch unberührte Natur, weite Magerwiesenflächen als Lebensraum für Bodenbrüter wie die Feldlerche und Wälder mit großem alten Baumbestand.

Mittagsrast hielten wir in der Schaalseemosterei der Bergmanns, einem vom NABU empfohlenen Streuobstwiesenbetrieb. Nachmittags wanderten wir am Neuenkirchener und Boissower See entlang, Nachbarseen des Schaalsees. Auch hier wieder See, Schilf und wunderschöne Bäume, einzelne Bootsstege. An einigen toten Bäumen waren riesige Löcher: der Schwarzspecht hatte da gearbeitet.

Die Vogelliebhaber wanderten am nächsten Tag frühmorgens um den Kirchensee. Wir hörten viele Teichrohrsänger, am Ortsende einen Sprosser und später im Wald neben Singdrosseln, Mönchs- und Gartengrasmücken einen Pirol. Erstaunlicherweise sahen wir insgesamt wenig Wasservogelarten auf der freien Wasserfläche, zwar viele Graugänse mit Jungen, Haubentaucher, Höckerschwäne und - die Kolbenente! Sie ernährt sich von den hier vorkommenden Armleuchteralgen, die auch bei der Entstehung des Kalkflachmoors eine wichtige Rolle spielten.

Danach besuchten wir das Grenzhus in Schlagsdorf, mit Dauerausstellung und Außenanlage aus Elementen der DDR-Grenzsperranlagen an der ehemaligen Zonengrenze. Diese verlief mitten durch den Schaalsee und erklärt auch die weitgehende Unberührtheit der Landschaft, die zum großen Teil in der Sperrzone lag.

Biosphärenreservat Schaalsee, Foto © B. Müller, NABU Biosphärenreservat Schaalsee, Foto © B. Müller, NABU

Nachmittags wanderten wir am See entlang auf dem Werder-Rundweg in Groß Zecher, hörten den Trauerschnäpper und sahen in einem Baum eine Starenhöhle, aus der die Jungen heraus guckten. In der Abendsonne saßen wir dann am Seeufer bei Kaffee und Kuchen und beobachteten ein Schwanenpaar mit Jungen. Sogar eine Rohrweihe wurde gesichtet.

Am vierten Tag erprobten wir den naturverträglichen Tourismus in Zarrentin: Fahrt auf dem See mit einem Elektroboot, von wo wir einen schönen Blick auf das Ufer mit den Bootsstegen hatten und auf ein Freibad, welches das Schwimmen im See ermöglicht. So wird der Schilfgürtel geschützt. Danach eine Fahrt durch die Landschaft mit einem Kremser und nachmittags eine sehr lebendigen Führung durch das Kalkflachmoor. Der Kalk, der sich über lange Zeit mit Hilfe der Armleuchteralgen gebildet hatte, wurde noch zu Zeiten der DDR abgebaut. Die letzten Jahre waren so trocken, dass der Wasserspiegel für die Moorflora zu niedrig wurde.  - Auch dieser Führer wünscht sich strengeren Schutz für die Natur. Anschließend der Besuch im benachbarte Pahlhuus, einer Ausstellung zur Entwicklung der Region. Bergmanns kamen zum Abschied noch einmal und bedauerten die mangelnde Zusammenarbeit mit den dortigen Naturschutzverbänden.

Auf der Rückfahrt bedankten wir uns bei Frau Brandt für die wieder rundum gelungene Fahrt. Bei der Mittagsrast am Steinhuder Meer hatten wir das Kontrastprogramm: Völkerwanderung, zahllose Gastronomiebetriebe und Schiffsverleiher am See gegenüber der Unberührtheit des Schaalseegebietes!

 

Text: Angela Hansel, Fotos: Burgi Müller

Ausstellungen:

bis 30.11.17 Wunder der Natur OB

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