Foto © Thorsten Jaworek, NABU Ruhr
Foto © Thorsten Jaworek, NABU Ruhr

Fledermäuse in Essen und Mülheim

Fledermausarten

Akustische Kartierung / Verbreitung

Jahreszeitliches Auftreten in Fledermauskästen

 

Insgesamt 9 Fledermausarten sind in Essen und Mülheim sicher nachgewiesen (Stand 2015). Die akustischen Aufnahmen führen gelegentlich zu Verdachts- momenten, dass es in Essen und Mülheim noch weitere Fledermausarten gibt. Diese sind aber nicht sicher genug, um sie zu veröffentlichen.

Nachfolgend wird vorgestellt, welche Beobachtungen wir lokal im Bearbeitungsgebiet gemacht haben. Die Arten sind nach Beobachtungshäufigkeit sortiert.

 

Fledermausarten

Zwergfledermaus

Die Zwergfledermaus hat sich hervorragend an ein Leben im Siedlungsbereich angepasst. Sie bezieht gerne Spalten in Fassaden und scheint bei uns eine Vorliebe für Flachdächer zu haben. Als häufigste Fledermausart in Essen und Mülheim ist sie im gesamten Stadtgebiet anzutreffen. Sehr gut zu beobachten ist sie in ihren Jagdgebieten in Gärten und an Gewässern.
In den größten uns bekannten Quartieren im Sommer finden etwa 100 Tiere zeitweise Unterschlupf. In den meisten Quartieren sind nur 2 bis 20 Tiere zu finden. Im Winter werden sie gelegentlich bei Renovierungsarbeiten gefunden. Die regelmäßigen Funde von Fledermäusen zeigen uns außerdem, dass sie durch den Straßenverkehr, Katzen und vor allem Sanierungsarbeiten gefährdet sind. Auffällig ist auch, dass viele Jungtiere gefunden werden, wenn witterungsbedingt die Nahrung knapp wird.

Zwergfledermaus, Foto © Steffen Hannert Zwergfledermaus, Foto © Steffen Hannert

Rauhhautfledermaus

Wir finden die Rauhhautfledermaus regelmäßig in Fledermausflachkästen. Bei akustischen Kartierungen fällt auf, dass sie hauptsächlich entlang der Ruhr und in den Seitentälern zu finden ist.

Die Tiere sind das ganze Jahr über anzutreffen. Vor allem zur Zugzeit haben wir den Eindruck, dass sie häufiger auftreten und die Ruhr eventuell als Zugstraße dient. Im Winter werden regelmäßig überwinternde Tiere in Holzstapeln gefunden.

Rauhhautfledermaus, Foto © Thorsten Jaworek, NABU Ruhr Rauhhautfledermaus, Foto © Thorsten Jaworek, NABU Ruhr

Großer Abendsegler

Der Große Abendsegler hat in den letzten Jahren abgenommen. Nur in Wäldern mit ausreichendem Altholzbestand findet er Baumhöhlen und ein vielfältiges Nahrungsangebot. An der Ruhr fliegt der Große Abendsegler überwiegend einzeln und ist dabei nur kurz zu beobachten, da er meist in großen Höhen fliegt. Regelmäßig ist er in Fledermauskästen zu finden. Gelegentlich überwintert er auch bei uns. Was meistens erst auffällt, wenn ein Baum im Winter gefällt wird.

Großer Abendsegler, Foto © Thorsten Jaworek, NABU Ruhr Großer Abendsegler, Foto © Thorsten Jaworek, NABU Ruhr

Wasserfledermaus

Die Wasserfledermaus hat bei uns ebenfalls in den letzten Jahren abgenommen. Die Ursache ist unbekannt. Möglicherweise fehlen Quartiere oder die Nahrung ist knapper geworden.
Netzfänge mit Telemetrierung haben gezeigt, dass es bei uns Wochenstuben gibt und sich die Jagdgebiete bis zu 7km entfernt von diesen befinden. Bei uns sind Wasserfledermäuse nur noch vereinzelt anzutreffen. Nur zur Zugzeit sind an der Ruhr bis zu 10 Tiere gleichzeitig zu beobachten. Während in den 80er Jahren regelmäßig etwa sieben Wasserfledermäuse bei uns überwinterten, trifft man aktuell höchstens einen Winterschläfer an.

Wasserfledermaus, Foto © G. Wagner Wasserfledermaus, Foto © G. Wagner

Mückenfledermaus

Die Mückenfledermaus haben wir mit akustischen Aufnahmen in den Ruhrauen nachweisen können. Ein Fundtier konnte in der Hand sicher bestimmt werden.

Mückenfledermaus, Foto © Karsten Passior Mückenfledermaus, Foto © Karsten Passior

Kleinabendsegler

Zu jeder Jahreszeit ist der Kleinabendsegler bei uns sporadisch in Fledermauskästen oder als Fundtier aufgetaucht. Akustische Aufnahmen deuten aber darauf hin, dass der Kleinabendsegler bei uns häufiger vorkommt als vermutet.

Kleinabendsegler, Foto © R. Jügel Kleinabendsegler, Foto © R. Jügel

Zweifarbfledermaus

Die Zweifarbfledermaus wird regelmäßig im Winter gefunden, wenn ein plötzlicher Kälteeinbruch die Tiere dazu veranlasst, in Gebäude einzufliegen. Leider wissen wir sonst sehr wenig über diese Art in unserem Stadtgebiet, da sie sich unseren Beobachtungen sehr gut entzieht.

Zweifarbfledermaus, Foto © Maren Thomas, NABU Ruhr Zweifarbfledermaus, Foto © Maren Thomas, NABU Ruhr

Braunes Langohr

In den 80er Jahren wurde das Braune Langohr regelmäßig als Winterschläfer gefunden. Seitdem konnten wir keine weiteren sicheren Nachweise erbringen.

Braunes Langohr, Foto © Karsten Passior Braunes Langohr, Foto © Karsten Passior

Fransenfledermaus

In den 90er Jahren wurde eine Fransenfledermaus in einem Winterquartier nachgewiesen. Seitdem konnten wir keine weiteren sicheren Nachweise erbringen.

Fransenfledermaus, Foto © Karsten Passior Fransenfledermaus, Foto © Karsten Passior

In den angrenzenden Kreisen sind zusätzlich nachgewiesen: Mopsfledermaus, kleine Bartfledermaus, Teichfledermaus, Breitflügelfledermaus, Großes Mausohr und Bechsteinfledermaus.

 

Laut LANUV sind in NRW außerdem nachgewiesen: Nordfledermaus, Große Bartfledermaus, Wimperfledermaus und Graues Langohr.

Die Rasterkarten der LANUV sind hier einzusehen:

http://artenschutz.naturschutzinformationen.nrw.de/artenschutz/de/start

 

 

Akustische Kartierung / Verbreitung

Mit einem Ultraschalldetektor nehmen wir Fledermausrufe im Stadtgebiet auf. Diese Aufnahmen werden mit Koordinaten gespeichert und anschließend ausgewertet. Die folgende Karte zeigt immer nur eine Momentaufnahme am jeweiligen Ort. Da wir nicht an jedem Ort gleichzeitig sein können, aber alle Datenpunkte eingetragen sind, ist die Karte zeitlich verzerrt. Im Laufe der Nacht ändert sich das Bild laufend. Auch sind in der Karte große Bereiche ohne Aufnahmepunkt, da wir noch nicht an jedem Ort zur richtigen Zeit waren, um eine Fledermaus aufzunehmen.

Die Karte basiert auf Daten von 2013.

akustische Kartierung © Thorsten Jaworek, NABU Ruhr akustische Kartierung © Maren Thomas / Thorsten Jaworek, NABU Ruhr

Da die Auswertung von Rufaufnahmen sehr zeitaufwendig ist, haben wir folgende Gruppen zusammengefasst:

 

in orange – Pipistrelloid:
Mittellange Rufe mit einem frequenzmoduliertem und einem frequenzkonstanten Rufanteil (Zwergfledermaus, Rauhhautfledermaus, Mückenfledermaus, …)

 

in rot – Nyctaloid:
Sehr lange, tiefe, fast frequenzkonstante Rufe (Großer Abensegler, Kleinabendsegler, Zweifarbfledermaus, …)

 

in blau – Myotis-Form:
Kurze Rufe mit einer starken Frequenzmodulation.
(Wasserfledermaus, Braunes Langohr, Fransenfledermaus, …)

 

 

Für genauere Artangaben können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen.

 

Jahreszeitliches Auftreten in Fledermauskästen

Im Rahmen einer Projektarbeit von 1999 und einer weiterführender Arbeit von Carsten Ebenau wurden an drei Standorten in Essen Fledermauskästen alle zwei Wochen ausgezählt. So konnte die Nutzung der Fledermauskästen im Jahresverlauf festgestellt werden. Auch dieses Ergebnis ist nur eine Momentaufnahme im Beobachtungszeitraum.

Grafik © Carsten Ebenau Grafik © Carsten Ebenau

Anzahl der Rauhhautfledermäuse (x) und Abendsegler (■) in den Fledermauskästen im Jahresverlauf 1999/2000.

 

 

Quellen

EBENAU, C. (2001): Bericht zum Fledermausschutz für die Städte Essen und Mülheim, unveröffentlichter Bericht für die Untere Landschaftsbehörden Essen und Mülheim

 

KORSUS, S. & M. WILHELM (1999): Phänologie und Migration der Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) im Essener Ruhrtal, Projektarbeit an der Universität GH Essen, Fachbereich 9.

Ausstellungen:

bis 30.11.17 Wunder der Natur OB

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