Ratschläge zur Pflege hilfloser Igel

Wer hilflose Igel aufnimmt, hat selber für eine artgerechte Unterkunft, Ernährung und Gesundheitsfürsorge zu sorgen (Tierschutzgesetz)

Gesundheitsfürsorge:
  • Verletzungen und/oder Infektionen sind von einem Tierarzt oder in einer erfahrenen Igelstation auf ihre Heilungschancen zu beurteilen und ent-sprechend behandeln zu lassen.
  • WURMKUR ist in der häuslichen Pflege lebensnotwendig und kann in Igelstationen oder bei Tierärzten durchgeführt werden (z.B. 2 Injektionen im Abstand von 48 Stunden). - 2 bis 3 Wochen danach führt ein Veterinär-medizinisches Untersuchungsamt, Tierarzt oder eine Igelstation eine mikroskopische Kotuntersuchung durch, ob eine weitere Wurmkur nötig ist. Dazu ist von 2 bis 3 Tagen Kot (Gesamtmenge ca. Größe einer Haselnuss)in ALU-Folie und Briefumschlag verpackt abzugeben oder zu versenden.
  • Igelflöhe gehen nicht an Menschen und bleiben nicht an Haustieren. Zur Bekämpfung wird der Igel am Bauch und Rücken mit Flohpuder (z.B. Jucksin ) behandelt; nachdem die Flöhe abgetötet sind, wird der Igel mit dem Rücken nach unten in lauwarmem Wasser gründlich gebadet (wenig Shampoo) und dann in milder Wärme (Heizlüfter, kein Föhn) getrocknet.
  • Zecken werden mit Kopf vorsichtig mit einer spitzen Pinzette entfernt.
  • Milben werden durch ein Bad in Alugan abgetötet, was nach 10 Tagen wie-derholt werden soll; ansonsten wird ein Igel nicht mehr gebadet! Unterkunft; Badewannen, Plastikwannen, Hamsterkäfige, Eimer o.a. gehören nicht zu ei-ner artgerechten Unterkunft für Igel und sind Tierquälerei!
Igel sind Nachttiere und schlafen tagsüber, so dass der Auslauf dann an-derweitig genutzt werden kann. Der Schlafkarton mit einem Schlupfloch v. 12x12 cm sollte etwa doppelt so groß sein wie der Igel und wird unten dick mit Zeitungen, darüber mit Lappen oder Zeitungsschnitzel ausgelegt Das Schlafhaus muss auf Sauberkeit kontrolliert werden. Für den nächtlichen Auslauf ist ein Revier von ca. 2 x 2 m mit mindestens 40 cm hohen glatten Wänden (niemals Maschendraht o.ä.). Der wasserfeste Boden (z.B. PVC-Boden) wird mit Zeitungen ausgelegt, damit sich kein Urin einsaugen kann; die morgendlich notwendige tägliche Reinigung wird damit sehr beschleunigt.
Die Unterbringung von mehr als einem Igel in einem Revier führt oft zu lebensgefährlichen Beißereien und zu gegenseitiger Ansteckung der Igel-krankheiten, die aber weder für Menschen oder Haustiere gefährlich sind,

Ernährung : Frisches Wasser sollte niemals fehlen!
Verboten sind: Milch (Durchfall), Salz, Zucker oder Gewürze! Schnecken oder Regenwürmer niemals füttern, da sie Igel-Würmer übertragen! Das im Handel erhältliche Igelfertigfutter reicht niemals als Alleinfutter aus. Der Igel braucht als Insektenfresser grundsätzlich eiweißhaltige Nahrung. Gekochtes Hühnerfleisch, durch ein grobes Sieb vom Fleischwolf gedreht, hat sich bestens bewährt; 1/3 der Fleischmenge kann durch gekochte Möhren, die mit den Knochen durch ein feines Sieb gegeben wird, verbessert das Futter erheblich.(Portionsweise einfrieren aber zimmerwarm hinstellen). Zur Deckung des Vitamin- und Kalkbedarfes wird dem Futter abends etwas OSSPULVIT oder 3 Tropfen Multisanostol zugemischt. Gekochter Fisch, Rühr-ei, Rindergehacktes, Bananen, Birne oder Weintrauben werden ggf. genommen. Wie o.g. Obst kann auch sehr wenig frischer Gouda ergänzend angeboten werden. -Täglich bis zu 15 g Mehlwürmer anbieten, da Igel Kerbtiere brauchen und nur selten Mehlwürmer ablehnen. FUTTERMENGE so einstellen, dass Igel bis ca. 250 g max. pro Woche 100 g und schwerere Igel max. 50 g und Igel ab 800 g möglichst nicht mehr zunehmen - ab 1200 g wird's lebensgefährlich!! Als Richtwert gilt: 2 knapp gehäufte Esslöffel Futtermenge pro Abend/Igel. Krallen (teildurchblutet) etwa alle 8 Wochen schneiden lassen.
Igel lecken, kauen oder zupfen gerne an Leder, Wolle oder anderen Naturer-zeugnissen und speicheln sich anschließend ein (ist keine Tollwut!). Bei Wollteppichen mit Mottenschutzimprägnierungen gab es schon tote Igel !!! Das AUSSETZEN der Winterpflege-Igel ist um Mitte Mai zweckmäßig
Igel aus einer notwendigen Sommerpflege werden bis spätesten Mitte Oktober mit mindestens 400 g Körpergewicht ausgesetzt.